Was passiert eigentlich, wenn euer Hochzeitsfotograf absagen muss? Das ist eine super doofe Frage, über das man nur ungern redet. Vorweg: ich wünsche weder einem Fotografen noch einem Brautpaar, dass dieser Fall eintritt. Einige Brautpaare suchen teils Wochen, bis sie endlich jemanden gefunden habe, bei dem es wie die Faust auf’s Auge passt und die Chemie wie die Bilder stimmen. Plötzlich kommt dann eine Mail ins Postfach oder das Telefon klingt und genau dieser Fotograf muss absagen. Mist.

Aber die Realität ist nunmal: es passiert. Auch wenn ich alle meine über 130 eigenen Hochzeiten fotografieren konnte, ist es schon drei Mal passiert, dass ich für Kollegen eingesprungen bin. Ironischerweise haben mich solche Zufälle sogar schon bis nach Virginia in die USA geführt, weil ein Kollegen aus der Türkei eine Doppelbuchung hatte. Zum Glück hatte ich genau an diesem Wochenende noch frei und das Brautpaar fand meine Bilder ohnehin bombe. Alles perfekt also!

Aus meiner Sicht trennt sich in solchen Fällen die Spreu vom Weizen unter den Fotografen. Das sind Situationen, wo sich zeigt, wie professional man arbeitet. Wir sind allesamt keine Maschinen, unzerstörbare Superhelden und auch Fehler machen ab und an. Das ist weder ein Geheimnis, noch sonderlich überraschend. Aber auch an dem Punkt bleibt das Hauptziel immer noch unverändert. Es muss sichergestellt sein, dass das Brautpaare geile Bilder bekommt. Alles andere wäre absolut unverantwortlich.

Meine Absicherung im Extremfall sieht wie folgt aus: Ich habe eine Notfall-Liste mit etwa 15 Fotografen, denen ich allesamt zu 200% zutraue, dass sie eine Hochzeit – in ihrem Stil – auf einem verdammt hohen fotografieren werden. Dazu kommt, dass ich mit all diesen Menschen in persönlichem Kontakt stehe und ich jeden einzelnen als Freund bezeichnen würde.

Somit wären eigentlich schon alleine 99% aller Fälle abgedeckt. Aber Steven – und wenn die alle schon was vor haben? Für diese echt kleine Restwahrscheinlichkeit bin ich Mitglied eines Netzwerkes mit mehr als 5.000 aktiven Hochzeitsfotografen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In dieser Gruppe wird dann die Notfall-Hochzeit eingestellt. Alle Mitglieder, die noch verfügbar sind, können sich mit ihren Kontaktdaten darauf melden. Oftmals melden sich in wenigen Stunden über 100 Fotografen auf diese Anfragen – und aus denen finden wir ganz sicher einen guten Ersatz.

Das ist ja alles toll, aber wieso erzählst du uns das alles gerade? Naja, wegen Sabrina und Michael! Die beiden kamen etwa vier Wochen vor ihrer Hochzeit in Giengen an der Brenz zu mir, nachdem ein anderer Kollege eine Doppelbuchung hatte und die Hochzeit somit nicht fotografieren konnte. Wir fanden uns direkt super sympathisch, es hat alles gepasst und somit haben sie mich auch echt spontan gebucht.

Sabrina und Michael starteten gemeinsam ihren Tag mit dem Getting Ready in ihrem eigenen Haus in Ichenhausen-Hochwang. Alles super gemütlich und ohne viel Stress. Für ihre katholische Trauung haben sich die beiden die wirklich schöne St. Martinus Kirche in Oberstotzingen ausgesucht. Für den Rest des Tages ging es in etwas weiter entfernte Giengen an der Brenz. Dort befindet sich die „Schranne“ – ein modernisiertes Getreidemaß und Bürgerhaus aus dem 19. Jahrhundert mit industriellem Look. Eine wirklich coole Location für eine Hochzeitsfeier. Ausnahmsweise haben mich die beiden nur für 6 Stunden gebucht statt den sonst üblichen Ganztagsbegleitung. Aber bei solchen Notfälle mache ich natürlich auch mal eine Ausnahme!

Und als kleines Add-On habe ich auch noch einen Fearless Award für eines meiner Bilder dieser Reportage gewonnen. Das ist der weltweit renommierste Preis in der Hochzeitfotografie. Darüber bin ich einfach nur stolz.

 

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